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26.11.2006
Fa Freddo, non caldo
Das beste zuerst: Ich bin saufroh, dass ich mir für die Reise
noch so einen schickes Kapuzenjäckchen geleistet habe. Es ist
nämlich kälter hier als bei euch! Und die Regenjacke
(l'impermeabile) brauchte ich auch schon am ersten Abend. Und in der
Bude funktioniert die Heizung nur manchmal, bin mir noch nicht sicher
wann, aber glaube Stephane hat da die Finger drin.
Mhmh, ich probiere gerade meinen ersten Schluck Chianti Classico
(ohne Classico und schwarzen Hahn ist er nicht original). Im kleinen
Wasserglas, weil mehr hat es hier nicht. Der ist jedenfalls ganz
ordentlich der lokale Tropfen und mit 13,5% wird er mich ja schnell
wärmen [nimm gleich noch nen Schluck und schmatz mit den
Lippen].
Ciao
Aber Hallo erstmal, liebe Freunde. Ich schicke euch einfach mal
einen kurzen (okay, streiche kurz) Reisebericht aus der schönen
Toskana. Heutzutage hat man natürlich einen Wireless Internet
Point in der Schule, wenn ich den Lappy mitschleppe kann ich also von
euch hören (und freue mich drüber!).
Andiamo
in treno
Die Anreise verlief super. Die Zeit verging dank gutem Buch
und meinem neuen IPod wie im Fluge. Nur in Mailand kamen wir mit
Verspätung an und ich musste auf den anderen Zug rennen und bin
zum Zug nach Venezia gesprungen. Wohl weil ich Donna Leone gelesen
habe und ihre Bücher dort spielen. Zum Glück kam mir die 5
Minütige Abfahrtsverschiebung aber komisch vor und so bin ich
dann in letzter Sekunde mutig auf den nach Rom gesprungen…
… Und heil in Florenzia angekommen. Dort war die offizielle
Abfahrtzeit nach Siena nur um 3 Minuten anders als von der Schweizer
Bundesbahn angegeben, das ist normal hier.
Wichtig ist noch zu wissen, dass man sein Ticket abstempeln muss.
Auch wenn man dies im Ausland gekauft hat. An den Gleisen stehen dazu
gelbe Automaten. Die Schaffner kontrollieren das.
Fussmarsch zur Wohnung war keins Problem und Stephano der farbige
??? ihn weiss lassen??? Hausherr hat mich schnell durch geführt
und mit vielen Gesten und wenig Worten die Einrichtung erläutert.
Gab ja nicht viel zu sehen: Küche, WC, Wohnzimmer, sein Zimmer,
mein Zimmer und das Zimmer von Anja.
Ich fragte Stephane wo denn „la dotscha“ sei?
„Dotscha? Ah, la doccia!“
Zurück ging es ins WC:
Ah, ja. Der Duschkopf ist direkt über der Toilette und ein
Loch mitten im Boden für den Abfluss. Dauert also etwas länger
das Duschen, weil man ja danach feudeln muss.
In der Küche hat es keine Spülbürste und keinen
Stöpsel fürs Becken, alles steht praktischerweise in
Griffweite rund um die Spüle und mein Geschirr wasche ich daher
VOR dem Kochen besser ab als danach. Das Handtuch wird einmal im
Monat gewechselt, gut habe ich ein eigenes dabei. Wegen der Bakterien
und so.
Ihr wisst, ich bin kein Rassist, aber hier fallen mir wirklich so
ziemlich alle Vorurteile ein. Mein Zimmer ist wirklich sehr
einfach, das Bett klein und die Bettwäsche (le lenzuola) wohl
typisch italienisch? Eine dünne Wolldecke, ein Tuch drüber
und noch eine Zweite Wolldecke, falls es mal wirklich kalt wird. Das
stört mich jedenfalls am meisten, aber Flöhe habe ich
immerhin keine gefunden.
Ah, und neben mir und Stephane wohnt noch so ein junges, blondes
Ding hier. Sie fragt mich „Di dove sei?“
Keine Reaktion von mir, meine Gedanken rasen, versuchen ein Muster
zu erkennen. Das hatte ich doch schon mal gehört? „Di
dove sei?“ fragt sie erneut und ich stammel „sono tedesco
ma abito in Svizzerra“. Worauf sie antwortet “Das
habe ich mir doch gleich gedacht.” Puh, das erleichtert
natürlich vieles. Anja kommt aus Berlin und studiert hier
Italienisch und Französisch.
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